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Gemeinschaft

Hessingkirche St. Johannes

Christentum/ Simultankirche | Göggingen
Hessing Kirche (c) Guido Köninger

Die Kirche St. Johannes, auch „Hessing-Kirche“ genannt, ist in Augsburg etwas ganz Besonderes: sie ist eine sogenannte Simultan-Kirche, das heißt, sie wird sowohl von der römisch-katholischen, wie von der evangelisch-lutherischen Konfession genutzt.

In Deutschland gibt es derzeit knapp 70 Simultankirchen. Früher war ihre Anzahl größer: während und nach der Reformation wurden zum Teil bestehende evangelische und katholische Kirchen von den Landesherren zusammengelegt, oftmals auch, weil nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) das Geld fehlte um 2 Kirchen zu unterhalten.

Im Unterschied dazu wurde die St. Johannes Kirche vom Erbauer, Hofrat Friedrich von Hessing (1838-1918) nicht aus Not, sondern von Anfang an als Simultankirche konzipiert: sie sollte sowohl den evangelischen wie den katholischen PatientInnen der orthopädischen Heilanstalt von Hessing offen stehen. Sie ist – im Gegensatz zu manch anderer Simultankirche – nicht in einen katholischen und einen evangelischen Bereich unterteilt, sondern für beide Konfessionen gleichermaßen gestaltet: es gibt sowohl evangelische, als auch katholische Kirchen-Elemente. Evangelisch sind z.B. der allegorische Schmuck von Altar und Kirchenkanzel, oder auch die nur wenigen Heiligenabbildungen. Denn während in der katholischen Kirche Heilige eine wichtige Rolle spielen, kennt die evangelische Kirche diesen Brauch nicht. Katholisch ist dafür z.B. ein Holzrelief der Heiligen Barbara, der Beichtstuhl oder das „Tabernakel“, ein kunstvoll gestalteter Schrein hinter dem Altar, in dem die Hostie aufbewahrt wird.

Zwei weitere Besonderheiten gibt es in der Hessing-Kirche: sie hat zwar einen Glockenturm, aber keine Glocken, denn Hessing war es wichtig, dass die Ruhe seiner PatientInnnen nicht gestört wird!

Dafür steht in der Kirche eine Steinmeyer-Orgel von 1896, ein Meisterwerk des berühmten Orgel-Bauers Georg Friedrich Steinmeyer, bei dem Hessing selber in die Lehre gegangen war.

Nach über 100 Jahren ist die für circa 100 Personen Platz bietende Hessing-Kirche nach wie vor rege in Gebrauch: vor allem für die PatientInnen der Hessing-Klinik, aber auch für die dort ehrenamtlich Tätigen, die Angestellten, und z.T. für AnwohnerInnen in Göggingen. Eine feststehende Kirchen-Gemeinde gibt es zwar nicht, weil die PatientInnen in der Regel nur wenige Tage oder Wochen bleiben. Aber beide Konfessionen halten regelmäßige Gottesdienste ab. Das Neben- und Miteinander der beiden Konfessionen ist eine Bereicherung für beide Seiten. Neben den katholischen und evangelischen Gottesdiensten finden auch ökumenische Feiern statt: gemeinsam mit den anderen Kirchen-Gemeinden Göggingens wird am Pfingstmontag zum ökumenischen Gottesdienst geladen. Außerdem gibt es Benefiz-Konzerte, oder z.B. Taufen für Kinder des Klinik-Personals. Für PatientInnen und Angehörige des Klinikpersonals ist die Kirche immer offen.

Über praktische oder finanzielle Dinge müssen sich die Konfessionen keine Gedanken machen - oder gar streiten: denn die Hessing-Stiftung übernimmt die Verwaltung und den Unterhalt der Kirche. Somit können sich beide ganz ihren seelsorgerischen Aufgaben für ihre jeweiligen Gottesdienstgemeinden widmen und ein schönes Miteinander praktizieren.

Gründungsgeschichte

Eingeweiht wurde die St. Johannes Kirche 1906. Eigentlich war der Bau der Kirche bereits 13 Jahre zuvor fertiggestellt worden, doch so lange dauerte es, bis die Idee einer Simultankirche von beiden Konfessionen ausreichend angenommen worden war.

Die Idee zu dieser Simultankirche hatte der Hofrat Friedrich Ritter von Hessing (1838-1918): Der gelernte Schreiner und Orgelbauer gelangte durch seine geschnitzten Prothesen und Stützapparate als „Wohltäter der Menschheit“ zu Ruhm. 1868 gründete Hessing die „Hessing’sche Orthopädische Heilanstalt“ in Göggingen. Dabei verfolgte er immer einen ganzheitlichen Ansatz der Medizin. Neben der orthopädischen Behandlung war ihm deshalb auch die Errichtung einer eigenen Kirche für die PatientInnen ein Anliegen. Einige Hürden überwindend setzte er den Bau der St. Johannes-Kirche nach seinen Vorstellungen durch. Der damalige Augsburger „Star“-Architekt Jean Keller, der auch in Hessings Auftrag das Gögginger Kurhaus entworfen hatte, wurde mit der Gestaltung beauftragt. Der Baustil der Kirche vereint eine neubarocke Hülle, byzantinisch geschmückte Wände und neugotische Ausschmückung miteinander. Hessing war geschickt darin, Gelder bei den Mächtigen und Reichen Europas für dieses Unterfangen aufzutreiben, u.a. dem deutschen Kaiserhaus und der russischen Zarenfamilie. Bereits nach 3 Jahren war die Kirche fertig gebaut.

Nach weiteren 13 Jahren Warten bis zur Einweihung fanden die Weihgottesdienste dann zwar noch nicht ökumenisch statt, aber immerhin bereits in nur einer halben Stunde Abstand voneinander. Heute wird die Kirche sowohl von beiden Konfessionen getrennt benutzt, als auch zu ökumenischen Gottesdiensten!

Foto-Credits: Guido Köningen

 

Adresse
Hessing-Str. 17
86199 Augsburg
Haltestellte
Hessing-Kliniken/ Göggingen, Tramlinie 1
Kontakt
Anne-Kathrin Kapp-Kleineidam & Martin Kleineidam, evang. Dreifaltigkeitskirche Göggingen
Anette Michalski & Nikolaus Bernhard, katholische Klinikseelsorge
Tel: 0821 909 231

 

Gründungsjahr: 1906

Treffpunkt für Gemeindemitglieder: Hessing-Kirche St. Johannes

Gottesdienst: 
Katholisch: Sonn- und Feiertage Messe um 9:00, Rosenkranzgebet um 8:30
Evangelisch: alle 2 Wochen samstags um 18:00

Sprache: Deutsch

Interview: 18.12.18 Nikolaus Bernhard & 15.01. 19 Anne-Kathrin Kapp-Kleineidamm mit Kyra Schneider

Aktivitäten:
Benefizkonzerte, u.a. die Konzertreihe „Advents- und Weihnachtszeit in der Hessing-Kirche“
Pfingstmontag: ökumenischer Gottesdienst mit den Gemeinden Göggingens
Taufen und Hochzeiten für MitarbeiterInnen der Hessing-Kliniken; Dankesgottesdienste für die ehrenamtlichen Besuchsdienste
Klinik-Seelsorge

Weiterführende Links:
https://www.hessing-kliniken.de/besucher-angehoerige/

Verbindungen zu:
evang. Dreifaltigkeitsgemeinde, evangelische und katholische Gemeinden in Göggingen; besonderer historischer Bezug zu evang. St. Anna

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